Exkursion: Hopfen

Im Rahmen des Projektes „Urbane Agrikultur im Leipziger Westen“, identifizieren wir Innovationen in der urbanen Landwirtschaft und versuchen diese an unseren Standorten zu adaptieren bzw. für andere Projekte nutzbar zu machen. Im Bereich Gartenbau liegt ein Fokus auf Nischenprodukten, die durch hohe Deckungsbeiträge, Ansprüche in Bezug auf Frische und Vorteile bei der Vermarktung von veredelten Endprodukten für den lokalen Anbau und die lokale Wertschöpfung für urbane Projekte interessant sind. Bei unseren ersten Exkursionen stand das Nischenprodukt Hopfen im Mittelpunkt. Das Projekt wird gefördert vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Bremen - 31.08. bis 03.09.2016

 

Besuch der G.i.B (Gesellschaft für integrative Beschäftigung) Bremen. Die G.i.B betreibt in Bremen-Gröpelingen unter anderem das „Cafè Brand“ und die urbane Landwirtschaft „Gemüsewerft“. In beiden Projekten wird Menschen mit eingeschränkter Erwerbsfähigkeit die Möglichkeit sozialer Teilhabe und Rückgewinnung einer Tagesstruktur geboten. Die „Gemüsewert“ ist eine urbane Landwirtschaft mit zwei Standorten in Bremen – einem urbanen Gartenbau und einem Gemeinschaftsgarten. Dort werden für das betriebseigene Cafè und weitere Gastronomien Gemüse, Obst, Kräuter, Hopfen und Pilze produziert. Der Hopfen der Gemüsewerft wird an eine kleine lokale Brauerei vertrieben, die daraus eine Ale Bier braut. Die zweite urbane Gartenbaufläche befindet sich aktuell noch im Aufbau.

Nach dem Besuch der beiden Flächen der Gemüsewerft, nahmen wir an einem Gartendinner im Gemeinschaftsgarten teil, besichtigten den zukünftigen Pilzbunker und das Projekt „Ab geht die Lucie“ in der Innenstadt von Bremen. Dort beheizt ein kleiner Biomeiler den Veranstaltungs-Container des Projektes. Mit der Geschäftsführung des G.i.B führten wir mehrere Gespräche hinsichtlich des Anbaus von Nischenprodukten wie Pilzen und Hopfen, möglicher Vermarktungsstrategien sowie der Realisierbarkeit sozialer Arbeit durch Zuverdienstprojekte.

 

Hallertau - 16.09. bis 17. 09.2016

Inspiriert durch den Containeranbau von Hopfen in der „Gemüsewerft“ Bremen besuchten wir gemeinsam mit dem Geschäftsführer der G.i.B das größte Hopfenanbaugebiet Deutschlands im Hallertau. Die Begutachtung des traditionellen Hopfenanbaus sollte zum besseren Verständnis von Kulturführung, Bodenbewirtschaftung und Spalierbauformen beitragen.

Dazu besuchten wir den Biohopfenbauer Friedrich bei Hersbruck. Da zum Zeitpunkt des Besuchs Hocherntezeit im Hopfenanbau war, zeigte uns Herr Friedrich zunächst die laufende Erntemaschine, die die Dolden vom Rest der Pflanze trennt. Im Anschluss erläuterte er uns die Trocknungsanlage und deren Prozesse, wodurch dem Hopfen zügig und schonend die Feuchtigkeit entzogen wird. Hier machte Herr Friedrich auch auf die steigende Bedeutung von Energiekreisläufen bei der Trocknung, wie die Rückgewinnung des Kondenswassers und die zunehmende digitale Technisierung aufmerksam, um den hohen Qualitätsanspruch der Abnehmer gerecht zu werden. Im Anschluss ging es auf das Feld und wir hatten die Gelegenheit die Hopfengärten mit unterschiedlichen Sorten zu besichtigen. Dabei wurden uns hilfreiche Hinweise zur Bodenbearbeitung und zum ökologischen Pflanzenschutz gegeben.

 

Am folgenden Tag inspizierten wir die Hopfenjungpflanzen-Gärtnerei „Eickelmann“ bei Ingoldstadt und erfuhren aktuelle Trends bei Züchtungen und bekamen die Produktionsweise erklärt.

Zusammen mit der „Gemüsewerft“ Bremen werden wir uns in den Wintermonaten über eine geeignete Form des Spalierbaus für die urbane Landwirtschaft austauschen und eruieren, an welchen unserer Standorte der Anbau von Hopfen stattfinden kann.