Urbane Agrikultur

Die ANNALINDE gGmbH ist ständig bestrebt Projekte und Vorhaben im Bereich der Urbanen Agrikultur zu entwickeln und den multifunktionalen Charakter weiter auszubauen. Hierzu werden eigene Projekte initiiert, sich an Forschungsvorhaben beteiligt sowie Kooperationen mit Akteuren einer nachhaltigen Stadtentwicklung geschlossen.

KoopLab

Teilhabe durch kooperative Freiraumentwicklung

Ankunftsquartiere gemeinschaftlich entwickeln

 

Die steigende Diversität in deutschen Städten erfordert neue Lösungen zu Fragen des sozialen Zusammenhalts. Können Freiräume zu einem Zusammenleben beitragen, das von Dialog und nachbarschaftlicher Verbundenheit geprägt ist?

Von dieser Frage geleitet, erprobt KoopLab innovative Methoden der kooperativen Freiraumentwicklung, die Bewohnerinnen und Bewohner an drei Projektstandorten zusammenbringen sollen. Wissenschaft, Stadtplanung, Wohnungsgesellschaften, Stadtverwaltungen und zivilgesellschaftliche Vereine arbeiten gemeinsam für das Projekt. Der räumliche Fokus von KoopLab liegt auf sogenannten Ankunftsquartieren, die von sozialer Benachteiligung, Migration und einer hohen Wohndichte geprägt sind. Die Beteiligten des Projektes werden wohnungsnahe Grün- und Freiräume gemeinschaftlich gestalten und entwickeln. Dadurch hoffen wir, Teilhabemöglichkeiten in Ankunftsquartieren zu fördern und zu einer ökologischen Aufwertung der Quartiere beizutragen.

 

Fallstudien
In den drei Kommunen Dortmund, Hannover, Leipzig will KoopLab Projektstandorte mit Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinschaftlich entwickeln, um mehr über die Potenziale von Freiräumen zu lernen.

 

Die Stadt Leipzig hat als „Stadt der Extreme“ (Rink 2015) in den letzten 25 Jahren eine Entwicklung von einer massiven Schrumpfung hin zu einem dynamischen Wachstum erlebt, welches nunmehr seit 2010 andauert und sich insbesondere auf die innenstadtnahen Stadtteile auswirkt. Die hohen Zuzugszahlen führen zu steigenden Wohnkosten, baulicher Verdichtung und wachsender sozialer Ungleichheit. In den letzten Jahren hat sich die Zuwanderung nach Leipzig deutlich internationalisiert und zu einer größeren Diversität der Bevölkerung beigetragen.

 

Der Fokus des Leipziger Teilprojekts liegt auf den Ortsteilen im Leipziger Osten, wo sich seit den 1990er Jahren migrantisch geprägte Viertel in Innenstadtnähe herausbildeten. In diesen Ortsteilen geht eine Konzentration sozialer Benachteiligung mit einer neuen, jungen und zunehmend internationalen Zuwanderung einher. Die zentrale Lage, eine gute infrastrukturelle Ausstattung sowie neue Parks und sozio-kulturelle Initiativen führen zu einer schnellen Abnahme des Leerstands, steigenden Wohnkosten und einem stärkeren Nutzungsdruck auf Grün- und Freiflächen im Stadtteil.

 

Verbundkoordinator:

Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), Universität Osnabrück (Jun.-Prof. Dr. Antonie Schmiz)

Projektwebseite: www.kooplab.de

Verbund Leipzig:

Helmholtz Zentrum für Umweltforschung UFZ

Stadt Leipzig, Amt für Stadtgrün und Gewässer

ANNALINDE gGmbH

 

Das Projekt KoopLab wird von 2018 bis 2020 im Rahmen der Forschungsstrategie „Zukunftsstadt“ gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung – BMBF.

Urbane Agrikultur im Leipziger Westen

Von 2016 bis 2018 bildeten wir im Projekt „Urbane Agrikultur im Leipziger Westen“, gefördert durch das BfN mit Mitteln des BMUB, unsere Multifunktionalität in der sozialen und ökologischen Dimension weiter aus und versuchten Innovationen zu adaptieren.

 

Ökologische Dimension

Urbane Landwirtschaftsflächen ergänzen und verbinden vorhandene städtische Biotope und tragen damit direkt zum Schutz und zur Wiederherstellung der urbanen biologischen Vielfalt bei. Gleichzeitig unterstützen sie die Potentiale städtischer Ökosystemleistungen und verbessern auf diese Weise die Lebensqualität in der Stadt. Hinzu kommen Aspekte des Ressourcenschutzes im Sinne einer nachhaltigen, urbanen Kreislaufwirtschaft.

In unseren Gärten wurden alternative Anbaumethoden sowie technische Innovationen erprobt und umgesetzt. Mit naturverträglicher Bewirtschaftung schaffen wir ökologisch hochwertige Flächen im urbanen Raum, die effektive Beiträge zum Schutz der biologischen Vielfalt leisten können, etwa Lebens- und Rückzugsräume für verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Darüber hinaus erfüllen die Grünflächen wichtige stadtökologische und stadtklimatische Funktionen, etwa im Zusammenhang mit Grundwasserneubildung, Frischluftproduktion und Bodenschutz. Somit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur urbanen Anpassung an den Klimawandel in der Stadt Leipzig.

 

Soziale Dimension

Urbane Agrikultur bezieht die BewohnerInnen als VerbraucherInnen und/oder ProduzentInnen ein und stellt damit eine neue Form gesellschaftlicher Teilhabe dar. Sie leistet so einen Beitrag zur Ernährungsautonomie und damit zur teilweisen Unabhängigkeit von Sozialleistungen und zur Schaffung größerer sozialer Gerechtigkeit. Darüber hinaus trägt urbane Agrikultur effektiv zu einer Sensibilisierung für ökologische Produkte bei und entwickelt Angebote im Hinblick auf die Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE).

Im Rahmen des Projektes wurden zielgruppenspezifische Angebote zur Bildung für nachhaltige Entwicklung erarbeitet und die Demokratisierung kommunaler Ernährungsstrategien, etwa im Rahmen der „Essbaren Stadt Leipzig“ gefördert. Die Gärten verstehen sich als Ort erfahrungsbasierten und handlungsorientierten Lernens, an dem die Natur auch in der Stadt wieder greifbar werden soll. Über einen ko-konstruktiven Lernansatz machen wir unsere Themen durch Anfassen, Schmecken und Mitmachen sinnlich erlebbar und vermitteln Gestaltungskompetenz. Die Lernenden werden in die Lage versetzt, auf Basis ihres Wissens Entscheidungen zu treffen, mit denen sich nachhaltige Entwicklungsprozesse verwirklichen lassen. Eine wichtige Rolle spielt die Integration von Menschen mit besonderen Bedürfnissen und die Ausrichtung des Zweckbetriebes als integrative Gärtnerei.

 

Projektflyer (PDF)

Projektbericht folgt.

 

Das Projekt wurde gefördert vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUB).

nascent

Neue Chancen für eine nachhaltige Ernährungswirtschaft durch transformative Wirtschaftsformen

 

Das etablierte Ernährungssystem befindet sich in der Krise. Neue Wirtschaftsformen und -initiativen stellen einen interessanten Ansatzpunkt für eine solche Transformation des konventionellen Ernährungssystems dar
Das verdeutlichen nicht nur diverse Lebensmittelskandale, sondern auch Umweltverschmutzung, Klimawandel Überdüngung oder Versorgungsprobleme auf dem Land. Ein Wandel zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise ist daher auch im Ernährungsbereich notwendig. Neue Wirtschaftsformen und -initiativen, bei denen soziale und Umweltbelange stärker im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, stellen einen interessanten Ansatzpunkt für eine solche Transformation des konventionellen Ernährungssystems dar.

 

Neue Wirtschaftsformen und -initiativen, wie beispielsweise Urban Gardening Projekte, Solidarische Landwirtschaft oder Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften, sind geprägt von einem neuen Verständnis des Zusammenwirkens von Konsumenten und Produzenten. Bei ihnen steht nicht mehr nur die Fremdversorgung der Verbraucher im Vordergrund, sondern stärker die Zusammenarbeit und Befähigung zu nachhaltigen Praktiken. Bei Urban Gardening Projekten handelt es sich um freiwilligen und gemeinschaftlichen Gartenbau auf städtischen Flächen, bei der Solidarischen Landwirtschaft (auch CSA = community-supported agriculture) kooperieren Gruppen von Verbrauchern auf lokaler Ebene mit einem Vertragslandwirt. Die Verbraucher geben für einen bestimmten Zeitraum eine Abnahmegarantie der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und nehmen im Gegenzug auf unterschiedliche Weise an der Produktion teil. Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften organisieren den Zusammenschluss von Verbrauchern zum gemeinsamen Einkauf größerer Lebensmittelmengen direkt vom Erzeuger. Es geht somit um die Ermöglichung eines transparenteren und selbstbestimmteren Konsums.

Nascent untersucht die Potenziale zur Transformation des etablierten Ernährungssystems, die von diesen Initiativen ausgehen. Dafür werden Initiativen in fünf Regionen Deutschlands untersucht: Oldenburg und Umland, Berlin und Umland, Leipzig und Dresden, München und Umland und Freiburg im Breisgau und Umland. Außerdem wird durch die Kooperation mit Partnern im Ausland auch die Entwicklung in anderen Staaten betrachtet. Das Projektteam möchte eine Typologie der Initiativen erarbeiten, ihre unterschiedlichen Motivationen und Interessen herauskristallisieren. Anhand dieser Ergebnisse wollen die WissenschaftlerInnen Diffusionspotenziale aufzeigen und zielgruppenspezifische Informationsangebote bereitstellen, um eine nachhaltige Entwicklung des Ernährungssystems unterstützend voranzutreiben.

 

Verbundkoordinator: Universität Oldenburg

Verbundpartner: Universität Stuttgart, Stiftungsgemeinschaft anstiftung und ertomis

Praxispartner Leipzig/Dresden: deinHof, ANNALINDE gGmbH

 

weiterführende Informationen: www.nascent-transformativ.de

 

Das Projekt „nascent – Neue Chancen für eine nachhaltige Ernährungswirtschaft durch transformative Wirtschaftsformen“ wurde von 2015 bis 2018 im Rahmen des Programms FONA – Forschung für Nachhaltige Entwicklung und in der Fördermaßnahme Nachhaltiges Wirtschaften – Sozialökologische Forschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung – BMBF gefördert.